Arbeitsjournal

31. Mai 2022

 

Kostenlos - eigentlich wollte ich das ja nie wieder machen, denn ein Schriftsteller soll für seine Arbeit bezahlt werden.

Aber dieses Mal habe ich einen Plan: die knapp 50 Seiten lange Fantasy-Story Schattenschleicher wird von mir in den nächsten Tagen verschenkt und soll sozusagen als Schlepper für den Roman dienen (ich erwähnte es schon). Das Ziel ist, die Leserschaft mit dieser Geschichte von meinem Können zu überzeugen, so dass sie ohne mit der Wimper zu zucken, oder überhaupt nachzudenken, den Roman kauft. Ein schöner Traum ...

Allerdings weiß ich, aufgrund der Kostenlos-Aktion bei meinem ersten eBook (Jahre ist es her), dass zwar viele potenzielle Käufer gerne ein Geschenk annehmen, dann aber nicht mal eine Review oder ein paar Sterne auf Amazon da lassen. Undankbare Kobolde, sie alle.

Vielleicht ist es dieses Mal ja anders ... Begeisterungsstürme, Berühmtheit, Reichtum ... Schnickschnack.

 

Was mich an etwas erinnert: ihr, die ihr schon Die Ruinen von Vinatur gekauft habt, ihr knapp 30 Menschen dort draußen in den Weiten der Gutenberg-Galaxis, seid so gut und gebt mir ein paar Sterne oder eine Review, wenn ich schon keinen Kanten Brot in der Hand und kein Dach mehr über dem Kopf hab. Denn ich bin ein armer Gaukler, doch ich kann mit Ironie und Sarkasmus besser jounglieren, als mit Totenschädeln.

 

25. Mai 2022

 

Kinder, Küche und Karriere haben mich die letzten Wochen daran gehindert, in diesem Arbeitsjournal zu schreiben, was nicht sehr schlimm ist, weil kaum etwas Nennenswertes geschehen ist. Außer die Werbekampagne ...

Auf Amazon bietet man für Klicks. Ich habe also ein Tagesbudget festgelegt, dass meine Gebote auf 20 Euro täglich begrenzt hat. Den einzelnen Schlagwörtern, mit denen ich Klicks für mein Buch generieren wollte, habe ich Gebote von anfänglich um die 70 Cent pro Klick, später bis zu 120 Cent zugeordnet. (Dieser Betrag wird nur angerechnet, wenn ein Käufer auf die Anzeige klickt und auf die Detailseite des Buches weitergeleitet wird).

Vorweg kann ich sagen, es hat kaum etwas gebracht. Zwar habe ich durch die ziemlich hohen Gebote mehr als 20.000 Impressionen gehabt - das heißt, so oft wurde meine Anzeige in der Suchliste zu meinen Schlagwörtern gesehen - aber nur ein paar hundert Leute haben dann auf das Buchcover geklickt, um auf die Detailseite des Buches zu kommen. Und noch weniger haben das Buch dort gekauft. Sehr viel weniger. In den zehn Tagen, die die Kampagne lief, sind über die Werbung sage und schreibe 4 Verkäufe zustande gekommen (und ein paar Hundert gelesene Seiten über Kindle Unlimeted).

Glücklicherweise ist das Gebotssystem auf Amazon dynamisch, so dass mein Tageslimit vom Algorithmus nicht annähernd ausgeschöpft wurde. Ich habe also in den zehn Tagen nur etwa 50 Euro Verlust gemacht.

 

Kein Problem. Was aber ein Problem ist: wieso haben mehr als 20.000 Impressionen zu nur 4 Verkäufen geführt?

Es könnte am Cover liegen. Was schmerzt, weil ich das Cover ja selbst entworfen habe und es für ziemlich passabel hielt. Aber das Publikum hat es offensichtlich nicht goutiert, passabel scheint heutzutage nicht auszureichen. Also habe ich mich nach guten Grafikern umgeschaut - und die guten sind teuer. (Und die billigen kaum besser, als ich selbst). Ein Grafiker, den ich sehr schätze und der für viele große Verlage arbeitet, möchte für ein Cover mindestens 800 Euro. Das ist zwar angemessen, aber für mich völlig außerhalb des Budgets, vor allem, weil ich mir ziemlich sicher bin, diese Ausgabe auf absehbare Zeit nicht wieder reinholen zu können. Und was wäre, wenn es doch nicht am Cover liegt, sonden zum Beispiel an der Buchbeschreibung oder am Plot? Dann hätte ich knapp 1000 Euro in den Sand gesetzt.

 

Wie also weiter? Erst einmal werde ich wie geplant nächste Woche das Beiboot veröffentlichen, die Kurzgeschichte Schattenschleicher, die ich teils kostenlos anbieten werde, um LeserInnen zu begeistern und dann auf den Roman zu verweisen. Auch das eine ziemliche unsichere Herangehensweise. Aber vielleicht geht der Plan ja auf.

Zum anderen werde ich mich wieder an meine Grafikprogramme setzen und ein neues Cover gestalten, eines, dass dem Publikum hoffentlich besser gefällt. Der Relaunch folgt dann im Laufe des Monats Juni.

 

Was noch zu sagen bleibt: faszinierend, wie wenig Verkäufe man braucht, um bei Amazon in einer (eher unwichtigen) Unterkategorie in der Top 100 zu landen. Ein, zwei eBooks am Tag, dann noch 200 gelesene Seiten in ausgeliehenen Exemplaren ... und schon steht man auf Platz 98 in Dunkle Fantasy. Aber gebracht hat das leider auch nicht viel.

2. Mai 2022

 

Wow! Tag 2 und schon ist das Buch in der Unterkategorie Dunkle Fantasy in der Top 100. Das fängt ja gut an. Ist nebenbei gesagt das erste Mal in meinem Leben, dass ich in den Charts auftauche.

Aber zufrieden bin ich ja nie, deswegen hoffe ich sehr, in den nächsten Tagen auch in die Hauptkategorie Fantasy aufzusteigen. Das wäre ein Traum, wenn das kein Traum bliebe.

Was mich auch begeistert hat: Amazon stellt ja einiges an Statistiken zur Verfügung und dadurch habe ich erfahren, dass gestern 644 Seiten, bei über Kindle Unlimited ausgeliehenen Büchern, gelesen wurden. Da ich nicht glaube, dass Die Ruinen von Vinatur schon oft ausgeliehen wurde bedeutet das wahrscheinlich, dass jemand das Buch in einem Zug durchgelesen hat. Scheint spannend zu sein ...

 

Am Vormittag habe ich weiterhin das Buch in verschiedenen Sozialen Medien und Foren beworben und vor allem meine Facebook-Community hat mich unterstützt, auch mit Käufen. Großartige Sache.

Anschließend habe ich eine kleine Werbekampagne bei Amazon selbst geschaltet, mit einem Etat von 200 Euro für 10 Tage. Mal sehen, was es bringen wird. Nach den heutigen Zahlen und Rängen bin ich zuversichtlich.

 

1. Mai 2022

 

Es ist soweit, heute ist Die Ruinen von Vinatur bei Amazon erschienen. Und kurz nach Mitternacht zeigten mir die internen Statistiken schon einen Verkauf an. Wer das wohl gewesen sein mag?

Ich werte das mal als ein gutes Zeichen.

Die nächsten Tage werden spannend für mich. Ich habe dieser Veröffentlichung mehr entgegen gefiebert, als meinem Geburtstag zwei Tage zuvor. Und es ist mir klar, dass es ein Höllenritt werden wird, diesen Fantasy-Jumbo von der Landebahn zu bekommen - aber mit eurer Hilfe wird das schon ...

Als nächstes starte ich eine kleine Werbekampagne direkt auf Amazon und werde sie mit der Kreditkarte meiner Frau bezahlen, weil ich keine eigene habe (der arme Poet).

Ein heftig kapitalistisches System übrigens; man ersteigert die Werbeplätze über das Gebot für einzelne Schlagwörter. Immerhin kann man überhaupt Werbung schalten. Bei Steam zum Beispiel ist das nicht möglich, wie ich bei meinem ersten eigenen Game erfahren musste. Steam verkauft das als "Faire Entscheidung", um den großen Playern keinen Vorteil zu geben, aber der Effekt für einen Ein-Mann-Publisher wie mich ist, dass keinerlei Sichtbarkeit entstehen kann. Mein Spiel Gothic 1881 (das wirklich recht gelungen ist, wie ich finde) hat sich in etwas mehr als einem Jahr nur rund 100 mal verkauft.

Da ersteigere ich dich lieber einen Werbeplatz bei Amazon und hoffe auf das Beste.

 

29. April 2022

 

Heute, an meinem 52sten Geburtstag, habe ich den zweiten Band der Ruinen-Reihe (wie ich sie nenne) begonnen - Die Ruinen von Albenmoor - der die Geschichte um Kallum, Ajala, Jaris und Tira fortführt. Und es warten auf den Leser, die Leserin so einige Überraschungen. Denn obwohl ich erst am Anfang des Manuskripts stehe, habe ich natürlich oft und intensiv über die Geschichte nachgedacht, wie sich die Figuren entwickeln werden, wie sich die Welt von Kalandris verändern wird ... und was es mit dem gespaltenen Mond auf sich hat.

 

Es waren schon von Anfang an drei Bände geplant, aber im letzten Jahr kamen mir Zweifel, ob beim (noch nicht vorhandenen) Publikum überhaupt ein Interesse bestehen könnte? Doch in letzter Zeit habe ich so großen Spaß am Entwerfen dieser Welt gehabt - vor allem, als ich Schattenschleicher schrieb -, dass ich nicht mehr davon lassen kann.

Die nächsten Monate hab ich ausreichend Freiraum, denn eine kleine Rücklage ermöglicht mir, mich bis zum Winter auf meine Arbeit zu konzentrieren, doch im nächsten Jahr werde ich mich, wenn der erste Band kein zumindest kleiner Erfolg wird, nach einem Job umsehen müssen.

Leider ist in diesem Land, von wo auch immer her, das Gerücht, nein, die feste Meinung aufgekommen, man könne mit Anfang fünfzig nicht mehr eine anspruchsvolle Lohnarbeit ausführen, so dass mir nichts anderes übrig bleiben wird, als eine Hilfsarbeit anzunehmen. Das wird auf die Knochen gehen, aber immerhin werde ich mich nicht mit schlauen Leuten rumärgern müssen. (Vermutlich aber mit weniger schlauen).

Wenn ihr also nicht wollt, dass ich ab Januar 2023 Regale bei Lidl einräumen muss, dann verhelft mir zu einem Erfolg und käuft Die Ruinen von Vinatur. Ab übermorgen könnt ihr das eBook oder die Taschenbuchausgabe bei Amazon bestellen. Wenn ihr ein Kindle-Unlimited-Abo habt, könnt ihr das Buch auch ausleihen.

Und wenn ihr mir noch mehr helfen wollt, dann lasst nach dem Lesen eine Rezension dort, sonst trifft mich die persönliche Rezession, denn nichts erhöht die Sichtbarkeit auf Amazon - und somit die Möglichkeit eines Erfolgs - mehr.

 

Zum Schluss noch die erste Szene des neuen Manuskripts, ein früher Teaser sozusagen, noch bevor ihr den ersten Band gelesen haben könnt. Hoffentlich einer, der neugierig macht:

 

(ACHTUNG: LEICHTE SPOILER ZUM ERSTEN BAND)

 

Der gespaltene Mond stand groß und bedrohlich am Himmel, drängte sich durch die dunkelgrauen Wolkenfetzen, die von einem scharfen Wind über die Wälder am Fuß der Burg getrieben wurden.

Es roch nach Nebel und Herbstlaub. Die Nacht war still wie ein Schlachtfeld nach dem Ende der Kämpfe und Tarank at’ Miradek stand am obersten Fenster des Burgturms und blickte abwechselnd hinab auf die Wälder und zum Mond hinauf, der ihn schwermütig werden ließ. [...]

Tarank ar’ Miradek schaute wieder in die Tiefe. Die Burg thronte auf einer schroffen Felsnadel, die sich mehr als zweihundert Fuß aus den dunklen Wäldern erhob. Wälder, die bis zum Horizont reichten und von Nebelschwaden durchzogen wurden und in denen die Unberührbaren hausten. Früher einmal waren sie Diener auf den Burgen seines Volkes gewesen. Das war lange her, Tarank konnte sich kaum noch erinnern, wie lange. Waren hundertzwanzig Sommer vergangen, oder eher hundertvierzig? Tarank wusste es nicht mehr. Müde strich er sich über das hagere Gesicht, das weiß wie Marmor war und genauso kalt und hart. Manchmal wünschte er sich die Diener zurück. Und die Dienerinnen. Aber es wäre kein guter Einfall, die Gefahr eines weiteren Aufstands heraufzubeschwören. Deshalb hatte der Hohe Rat seinerzeit die Unberührbaren verbannt, bis auf wenige Ausnahmen, die in der Zitadelle dienten, ruhig gestellt, vom eigenen Willen befreit durch die Kunst der Elchemischen Gilde.

Tarank at’ Miradek wandte sich von dem nächtlichen Bild ab, vom gespaltenen Mond und von den Wäldern, dem Nebel und den düsteren Wolken und trat an ein filigranes Tischchen, um den Docht der Öllampe hochzudrehen. Das Licht flammte auf und erhellte sein Schlafgemach. Es musste weit nach Mitternacht sein und er würde bis zum Morgengrauen nicht schlafen können, das spürte er bis tief in die Knochen. Je älter er wurde, um so seltener küsste ihn die Mutter Nacht, um so mehr versank er in fruchtlose Grübelei.

Er gab sich einen Ruck und ging zu seinem Harmonium, das neben dem Bett stand. Etwas Musik würde ihm gut tun, würde seine angespannten Nerven beruhigen. Wenn nur nicht der gespaltene Mond so dicht vor seinem Fenster stehen würde.  

26. April 2022

 

Endlich sind die Osterferien vorbei und ich kann, als Vater von zwei Kindern, wieder in Ruhe arbeiten.

Den Morgen über - und auch die letzten Tage - habe ich das Manuskript gesetzt (für die Taschenbuch-Ausgabe), dann bei Amazon hochgeladen und schließlich die Detailseite zusammen gebastelt; also die Seite dort, auf der man das Buch dann finden wird ... oder besser gesagt, schon finden kann.

Denn ab jetzt ist Die Ruinen von Vinatur vorbestellbar. Die kleine Werbekampagne werde ich aber erst starten, wenn das Buch am 1. Mai zu kaufen oder leihen ist.

 

Doch eigentlich wollte ich gar nicht von den Strapazen eines Selbstverlegers berichten, sondern damit beginnen, ein wenig über die Einflüsse zu plaudern, die meine Art Fantasy zu schreiben geprägt haben. Und einer dieser Einflüsse war Das Schwarze Auge.

Ich hatte mir das erste Fantasy-Rollenspiel deutscher Sprache zu meinem vierzehnten Geburtstag im Jahre 1984 gewünscht (lang, lang ist's her) und auch bekommen.

Die nächsten Monate, was sag ich, Jahre verbrachte ich mit diesem Spiel auf dem Speicher meines besten Freundes Joe Enderlein, der dort ein eigenes, von Eltern und Großeltern nicht leicht auffindbares, Reich besaß. Mit anderen Freunden erlebten wir dort Abenteuer in Aventurien und für vierzehnjährige Jungs war das weitaus besser, als alles, was vor den kleinen Fensterluken geschah.

Anfangs richteten wir uns nach den offiziellen Abenteuerbüchern (Im Wirthaus zum schwarzen Keiler!!!), dann aber fingen wir an, eigene zu schreiben - also vor allem ich fing damit an.

Das erste Stück Fantasy, das ich schrieb war Die Sumpfwälder des Schreckens - eine wilde Hatz durch drei Dutzend Fallen, so weit ich mich erinnere. Am Titel kann man schon erkennen, dass ich zuvor nur Horror-Groschenromane gelesen und geschrieben hatte. Das Abenteuer war abgeschmackt und es war großartig!

Eine neue Welt zu entwerfen, mit Städten, Dörfern, Verliesen und Höhlen, das war eine Offenbarung für mich. Das war mehr, als nur eine Geschichte aufzuschreiben und - von heute aus betrachtet - eine gute Vorbereitung darauf, den Roman zu schreiben, den ich jetzt, nach Jahrzehnten, endlich geschrieben habe. Denn die Welt muss ja glaubhaft sein, muss eine Geschichte haben, Mythen, Götter, Pflanzen und Tiere ... und natürlich Monster. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

 

In den 80ern kaufte ich noch viele Rollenspiele - Midgard, Dungeon & Dragons, Traveller - aber als ich nach Berlin zog, ließ ich alles in der elterlichen Wohnung zurück. Meine Eltern entschieden sich kurz darauf, sich scheiden zu lassen. Erst zog mein Vater aus, dann meine Mutter ... und die Myriaden von Spielen, Regelbüchern und Abenteuer verschwanden im Orkus der Zeit. (Oder wurden sie von einem Ork gestohlen?)

Weg, ohne Ausnahme.

Mich kümmerte das wenig; ich war in Berlin, lebte ein Leben als Künstler und hatte anderes zu tun.

Doch in den letzten Jahren ergriff mich dann eine Melancholie und brachte mich dazu, einiges nachzukaufen. Auch die Originalausgabe des Schwarzen Auges war dabei, natürlich, denn sie war ja der Ursprung allen Übels. Ich spiele das Spiel nicht mehr, mir fehlen Zeit und Mitspieler, aber ab und an krame ich eines der Abenteuer hervor, blättere darin und fliege mit weit gespreizten Schwingen über das abendliche Aventurien.

 

15. April 2022

 

Wieso eigentlich ein Fantasy-Roman? Das ist eine lange Geschichte.

Meine erste große Liebe (nach Enid Blyton) war die Phantastische Literatur. Angeregt von Raumschiff Enterprise und später Mondbasis Alpha 1 lieh ich mir Science-Fiction-Bücher in der Bibliothek aus. Erinnern kann ich mich noch gut an Das Raumschiff der Kinder und Commander Perkins.

Ich war fasziniert von den Welten, in die ich reisen konnte - die ZUKUNFT, Raumschiffe, Roboter, Aliens. Dann kam der Horror ...

Als ich mit elf Jahren den Pfadfindern beitrat, fuhr ich wenig später auf ein Ferienlager und dort las der Stammesführer (so nannte sich das, die Pfadfinder hatten etwas leicht Archaisches - vor allem mein Stamm Bundschuh, der eine Mischung aus Hippies und Aufständigen war) eine Kurzgeschichte vor, von einem Autor, dessen Namen ich noch nie gehört hatte: H.P. Lovecraft. Die Geschichte des Außenseiters traf mich ins Herz, denn das war auch ich. Später würde man so etwas Nerd nennen, damals nannte man das Stubenhocker, Bücherwurm, Brillenschlange (wobei ich in meiner Kindheit und Jugend noch keine Brille tragen musste).

Horror-Literatur war im Jahr 1981 schwer zu bekommen in Deutschland, es war wenig übersetzt und es gab noch kein Internet (allerdings schon das Arpanet, aber dort hatte ich keinen Zugang und Jeff Bezos hatte noch nicht einmal damit angefangen, Bücher mit der Post zu verschicken). Was es aber gab waren Heftromane: Professor Zamora, Larry Brent, Macarbos ... und John Sinclair. Die Romane über den Geisterjäger vom Scotland Yard begann ich mit Elan zu lesen. John Sinclair/Jason Dark war es auch, der mich zum Schreiben brachte: mit zwölf Jahren beschloss ich, dass ich so etwas auch könne (und zwar besser, wie mein jugendlicher Größenwahn mir einredete) und schrieb in ein hellblaues Schulheft meine erste Horror-Story ... Chris Colman - Universität des Grauens.

Von Horror (und Science Fiction, die ich nach wie vor las) war es kein weiter Weg zur Fantasy, vor allem, weil es ab den frühen 80ern geradezu einen Fantasy-Boom gab. Die unendliche Geschichte war erschienen, Conan war verfilmt worden, Der dunkle Kristall lief im Kino ... und ich las, nachdem mir die Abenteuer John Sinclairs dann doch zu simpel geworden waren, die Elric-Reihe von Michael Moorcock und den Enwor-Zyklus von Wolfgang E. Hohlbein (der damals noch die Initiale seines zweiten Vornamens im Namenszug führte). Auch Conan und Thongor, Kull und Jandar zogen in meine Welt ein. Und ich war beglückt - ich habe in meinem Leben viel gelesen, aber nie wieder solche Unmengen wie in den Jahren 1980 bis 1985. Goldene Zeiten.

1985 war es auch, als ich zwei Bücher las, die meinen Zugang zur Literatur entscheidend verändern würden: Howl, das wilde Langgedicht Allen Ginsbergs und Der Fremde, der existenzialistische Roman von Albert Camus. Beides stand meinem fünfzehnjährigen Ich plötzlich besser zu Gemüt, also betrog ich meine erste Liebe. Aber über die Jahrzehnte hatte ich immer wieder ausgedehnte Affären mit der Ex, doch schrieb ich trotzdem nur das, was man gemeinhin Hochliteratur nennt. Meine Bücher, die bis zu diesem Tag erschienen sind, zeugen davon (gleichwohl sie auch das eine oder andere phantastische Element beinhalten).

In den letzten Jahren allerdings fing mich diese Art von Literatur an zu langweilen - das Bauchpinseln, die mangelnde Spannung, die ewige Selbstbetrachtung - und ich begann wieder verstärkt Science Fiction und Fantasy zu lesen (ab und an auch Horror). Und allmählich breitete sich in mir das Bedürfnis aus, so etwas auch wieder selbst zu schreiben, selbst eine neue Welt zu entwerfen. Und das tat ich dann auch ...

 

14. April 2022

 

Zur Zeit überarbeite und korrigiere ich das letzte Viertel des Romans. Mehr als ein Jahr nach Fertigstellung. Und es ist immer wieder verblüffend, wie viele Fehler und Ungenauigkeiten man noch findet. Ich hoffe, ich habe alle Bugs erwischt, die zwischen den Seiten rumkrabbelten. Was ich auch immer wieder bei meinen Manuskripten feststelle: je älter sie sind, je weiter entfernt, fast schon in Echo-weite, um so objektiver kann ich sie lesen und beurteilen. Das ist ein großer Vorteil, den ich jedem Schriftsteller empfehlen kann wahrzunehmen, aber es war in diesem Fall keine freiwillige Entscheidung, so vorzugehen.

Ich habe das Manuskript zahllosen Agenturen und späterhin einigen Verlagen angeboten. Das Interesse war bescheiden und das ist noch eine Übertreibung. Wäre ich nicht schon seit Jahrzehnten Schriftsteller, hätte mich das vermutlich völlig aus dem Konzept gebracht und noch immer nagt die Frage mit spitzen Zähnchen an meiner Seele (denn öch bön der Seelephant): was, wenn sie recht hatten, all die Experten, wie z.B. der Cheflektor von Fischer Tor, der den Roman mit sehr harschen Worten abtat?

 

Ich glaube, sie alle haben unrecht, ich glaube sie kennen ihr Publikum nicht. Wir werden es erfahren in knapp drei Wochen. Eigentlich schon früher, denn Die Ruinen von Vinatur werden ab Ende April bei Amazon vorbestellbar sein.

 

Derweil schreibe ich an dem zweiten Kurzgeschichten-Sidekick des Romans, eine Sammlung von Legenden mit dem Titel Das grüne Buch der Erde - wie gestern erwähnt spielt diese Sammlung von Sagen auch eine Rolle in Vinatur selbst.

Wie viele Legenden es werden, das weiß ich noch nicht. Zwei kurze Stücke habe ich schon. Zum einen den Anfang von Siebenfinger in der Stadt aus Eis - Tira liest in Schattenschleicher den Anfang dieser Geschichte -, zum anderen Die Kinder von Vinatur, eine Sage, die ich gestern im Park begonnen habe zu schreiben.

Im Park, in der Sonne, bei 20 Grad Celcius ... jetzt fällt der Regen in dünnen Fäden und ich sitze am Schreibtisch. Wie gerne würde ich wieder in der Sonne sitzen! Wie gerne wäre ich auf dem Marktplatz von Tagwald, oder auf der Hochebene von Albenmoor ...

 

13. April 2022

 

In den letzten Wochen habe ich die Vorgeschichte zweier Figuren aus dem Roman geschrieben, zweier Figuren, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Es ist eine rund 40 Seiten lange Story geworden, die zwei Jahre vor den Ereignissen der Ruinen von Vinatur spielt.

Tira, das Mädchen aus Silberaue, die so eine bedeutsame Rolle in Prinz Jaris Leben spielen wird, trifft auf den Zauberer Malek - auch er später schicksalshaft verwoben mit Jaris und Kallum.

Die Story hat den Titel Schattenschleicher - und ich versuche in ihr einen mehr impressionistischen Ton zu treffen. Letztlich soll sie die Sichtweise einer Neunjährigen auf eine gefährliche Welt darstellen, in der Ungeheuer die Norm sind, heißen sie Schattenschleicher oder Mutter.

Aber die Geschichte soll auch das Abenteuer der Kindheit einfangen, die Lichtstrahlen, die durch das Fenster fallen, den Wind, der durch die Zweige rauscht. Und das Abenteuer des Lesens, dem Tira verfallen ist ... so wie ich schon seit meiner Kindheit.

 

Ich habe die Geschichte mit großer Begeisterung geschrieben, aber diese Begeisterung war nicht der einzige Grund, weshalb ich mich an die Arbeit machte. Der Plan ist (so viele Pläne ... und so wenig Sicherheit, ob ich sie in die Realität werde umsetzen können) ... der Plan ist also, Schattenschleicher als Schlepper für den Roiman zu verwenden. Ich werde die Story zum Preis von 99 Cent anbieten, vielleicht auch kostenlos, so dass der Leser und die Leserin dazu verleitet werden, den Roman zu kaufen, nachdem sie hingerissen von der Kurzgeschichte waren.

Die Frage ist nur: werden sie hingerissen sein?

 

Und weil mir die Arbeit an Schattenschleicher so gefallen hat, möchte ich drei weitere Storys schreiben, bevor oder während ich den zweiten Roman in Angriff nehme (der den Arbeitstitel Die Ruinen von Albenmoor hat und an dessen Vorarbeiten ich schon sitze).

Zum einen jeweils die Vorgeschichten von Jaris und Malek, zum anderen eine Sammlung von Legenden, die in dem Grünen Buch der Erde niedergeschrieben sind. Aus diesem Buch wird im Roman und auch in der Kurzgeschichte zitiert und ich habe das Bedürfnis, diese Legendensammlung Wirklichkeit werden zu lassen, so dass sie auch im echten Leben am Kaminfeuer vorgelesen werden kann.

 

12. April 2022

 

Nur noch drei Wochen, dann ist es soweit. Mein Fantasyroman Die Ruinen von Vinatur wird als eBook bei Amazon erscheinen. Am 1. Mai - am Tag der Arbeit. Es ist mein bisher bestes Buch geworden. Rund 450 Seiten, die mich mehr als ein Jahr Arbeit gekostet haben.

Nun wird sich zeigen, ob der Roman, das Cover und die Werbekampagne etwas ausrichten wird.

Auch das Cover habe ich selbst gebastelt, zum einen, weil ich Design drei Jahre gelernt habe, zum anderen, weil ich endlich mal die volle Kontrolle über eine Veröffentlichung haben wollte.

Ob das eine gute Idee war, das wird sich zeigen.

Mein Ziel ist: 5000 verkaufte Exemplare. Ist das zu hoch gegriffen? Vermutlich. Andererseits, warum nicht? Der Roman ist gut geworden. Bei der Überarbeitung habe ich ihn gerne gelesen. Und wenn ich den Text schon gerne lese - ich, der ich schwer zufrieden zu stellen bin - wieso nicht auch andere?

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© Florian Voss